Der neue Weg

Ein besonderer Gemeindeumgang zum Jahrtausendwechsel

In der Pfarreiengemeinschaft Maihingen im Ries, bei Nördlingen wurde zum 2000. Geburtstag von Jesus Christus am 1. Mai “Der Neue Weg” eingeweiht. 43 z.T. kunstvoll gestaltete Stationen prägen auf dem 17km langen Wanderweg die Jubiläumsjahr-Mitte der Gemeinde. Feuerwehr, Kirchenchor, oekumenischer Kreis, Schützenverein, Musikverein, Theaterverein, Frauenbund, Pfarreirat, Kulturverein, Pfarreirat, Kirchenvorsteherschaft, Jagdgenossenschaft, Gemeinderat, usw. haben die einzelnen Besinnungsorte gebaut. Eine “Kirchenaktion”, die von der ganzen politischen Gemeinde unterstützt und abgestützt wurde. Der neue Weg hat ein neues liebendes Miteinander ausgelöst.

Die nötigen Grund-Flächen für die 43 Stationen gehören Privatleuten und den beiden Kommunen Maihingen und Fremdingen. Das Vorbereitungsteam hat in den Gemeinderatssitzungen das Projekt “Weg 2000″ vorgestellt und die politische Behörde hat dazu ihre Grundstücke zur kostenlosen Nutzung für dieses Projekt zur Verfügung gestellt, ebenso die befragten Privatpersonen.

Kirchgemeinde
Die Zahl der Pfarrangehörigen von Maihingen, Utzwingen, Herblingen und Hochaltingen beträgt insgesamt 1700. Hauptamtlich angestellt sind Pfarrer Thaddäus Posielek und mit einer halben Stelle,Rebekka-Chiara Hengge. Sie ist eine Quereinsteigerin. Als Kirchenmusikerin hat sie verschiedene Zusatzausbildungen in Bibliodrama, Supervision, NLP, Gestaltpädagogik und Psychotherapie gemacht. Frau Hengge ist im Sept. 2000 als Gemeindereferentin (so ist die neue Bezeichnung dieser wichtigen Stütze im Pfarramt) vom Bischof eingesetzt worden.

Kosten
Die einzelnen Vereine kommen für die Kosten und für die Pflege ihrer jeweiligen Wegstation selbst auf. Außerdem wurde ein gemeinsamer Topf eingerichtet, um z. B. die Materialkosten für die 42 Metallbücher u. ä. zu finanzieren. In diesen Topf flossen Spenden von Einzelpersonen, Gruppen und Vereinen in den Gemeinden, die den Erlös von verschiedenen Veranstaltungen dafür spendeten.
Der ökumenische Kreis spendete die Kollekte eines Gottesdienstes, der Schützenverein gab einen Teil des Schützenfest-Erlöses, Gemeindemitglieder führten ein mittelalterliches Mysterienspiel über die hl. Birgitta von Schweden in der Klosterkirche auf.
Die Endabrechnung steht noch aus. Sie dürfte im Bereich einiger Tausend D-Mark liegen. Der gemeinsame Topf wird dafür ausreichen.

Zur Orgel
Bei der Klosterkirche beginnt der neue Weg. Die Gemeinschaft “Lumen Christi” hat bei dem “Neuer - Weg” Projekt engagiert mitgewirkt. Wer den “Neuen Weg” begeht, wird auch vom Besuch des Klosters und der Orgel sehr beeindruckt sein.
Nachdem die Birgittinnen im 30-jährigen Krieg aus Maihingen verjagt wurden, gründeten die Franziskaner-Minoriten mit Beginn des 17. Jh. einen neuen Konvent. Sie errichteten 1712-1719 die barocke Klosterkirche in ihrer heutigen Form. Wenige Jahre später (1734-1737) wurde durch Johann Martin Baumeister aus Eichstätt die zweimanualige (22 Register) Orgel errichtet.
1802/1803 wurden das Kloster und die Kirche säkularisiert durch die Fürsten Oettingen-Wallerstein. Orgel und Kirche wurden dichtgemacht. Noch heute ist das Wachssiegel am Spieltisch-Deckel der Orgel erhalten. Fast zwei Jahrhunderte verbrachte die Orgel dann im “Dornröschenschlaf”.
Als 1983 die diözesaneigene Klosterkirche einer Innenrenovierung unterzogen wurde, glaubte keiner, dass von dieser - seit Menschengedenken nicht mehr gespielten und gehörten - Orgel noch etwas zu retten sei. Nachdem aber Staub und Schmutz entfernt waren, staunten die Gemeinde und die gesamte Orgel-Fachwelt über eine original erhaltene Barockorgel, die ihresgleichen sucht. Sie ist auch heute noch mit der Blasebalganlage zu spielen, auch wenn jetzt ein elektrischer Motor installiert wurde. Ihre Registerfarben bringen süddeutsche Barock-Orgelliteratur aufs Schönste zum Klingen. Sie besitzt eine einmalige Stimmung; fachmännisch ausgedrückt: modifiziert mitteltönig.
An Ostern 1991 wurde sie zum ersten Mal wieder gespielt. Seither versucht der “Freundeskreis Klosterkirche Maihingen” durch geistliche Konzerte und Gottesdienste Kirche und Orgel als Ort der Anbetung Gottes lebendig zu erhalten.

Das Kloster
Seit Okt. 84 ist die Lebensgemeinschaft “Lumen Christi” hier mit ca. 25 Personen untergebracht. Sie betreibt darin ein geistliches Bildungszentrum.
Prof. Dr. Heribert Mühlen hat 1980 mit einem Grundlagenpapier einen Weg zur Neu-Evangelisierung von Kirche und Gesellschaft nach dem II. Vatikanischen Konzil geebnet und der Bischof von Augsburg hat dazu das Minoritenkloster zur Verfügung gestellt.
Die Neuentdeckung der Kirche als Volk Gottes unterwegs, das allgemeine Priestertum, die missionarische Verkündigung und die Förderung von Glaubens- und Lebensgemeinschaften waren Grundimpulse zu diesem “katholischen Evangelisationszentrum”!