Das Vorzeige-Dorf

Auszug aus der Geschichte: “das Steinbacher – Modell” Der grösste Betrieb im 2000 Einwohner zählenden Ort, die Pils Werke, geht 1967 Pleite. 200 Menschen werden arbeitslos. Auch das mitten im Dorf gelegene Restaurant “Traube” macht dicht. Die Kultur des Miteinanders in Politik, Schule und Kirche im Ort ist am Tiefpunkt.

Der Bürgermeister und praktizierende Katholik Ing. Karl Sieghartsleitner hat mit dem evang. Pfr. Klaus Eickhof und dem Wirtschaftswissenschafter und Leiter der Studiengruppe für Internationale Analysen Prof. Johann Millendorf am runden Tisch begonnen, Prinzipien der Bergpredigt in den politischen Bereich umzusetzen. Die Kirche ist die Werteschmiede , welche die Menschen befähigt, Solidarität, Rücksicht und Umsicht im dörflichen Leben umzusetzen.

Der runde Tisch

bringt Hoffnung. Heute bereichern 50 Dorfprojekte das wirtschftliche und kulturelle Leben. Die Abwasser werden in Kleinkläranlagen entsorgt. Ein neue Obstdörranlage verarbeitet 15 t biologisch angebaute Früchte aus der Umgebung. 350 t Obst, so ist das Ziel eines neuen Projektes von Bauern, sollen zu Steinbacher Natursäften verarbeitet werden. Die Holzschnitzelheizung, gefüttert aus dem nahen Wald, wärmt die neu entstandenen Siedlungen.1994 bekommt der Ort den europäischen Dorf-Erneuerungs-Preis!

Mitdenken, Mitgestalten

Viele Menschen aus der Bevölkerung wurden für die Mitarbeit bei der Erarbeitung eines Leitbildes gewonnen. Wer sich daran beteiligte wurde in einen Arbeitskreis eingegliedert, der die Ideen aufnahm, verarbeitete und mit einem entsprechenden Ausschuss des Gemeinderates weiterentwickelte . Ein visionäres Ziel, das die Werte betonte, und ein strategisches Ziel für die konkreten Massnahmen wurden erreicht. Bildungs- und Motivationsarbeit auf diesem Weg waren wichtige Teile.

Beziehungskultur

Die Erneuerung der Beziehungskultur, in welcher der Erfolg von allen Mitwirkenden geteilt wird, war ein wichtiges Anliegen. Statt Pläne gegenseitig zu verhindern, unterstützen sich heute auch politische Gegner, Gewerbetreibende weisen gegenseitig auf ihre Produkte hin. Tätige Nächstenliebe - Solidarität wird geübt. Synergie statt Konkurrenz!

Die Basis

Die Menschen am Ort, einfache Bürger, wie Entscheidungsträger sind auf einen gemeinsamen Weg eingeladen, zu begeistern und für die neuen Gemeindepolitik zu befähigen . Das Leitbild wird vom Gemeindeparlament verabschiedet. Es wird jedes Jahr an einer Klausurtagung vertieft.

Erfolg

Die Folgen dieses Weges sind nicht nur in der überdurchschnittlichen Zunahme der Investitionen, Betriebsgründungen und Arbeitsplätze abzulesen, sondern auch in einem neuen Klima des gegenseitigen Vertrauens, das sich bei der Mehrheit der Bevölkerung gebildet hat. Rund 150 Orte in Deutschland, Österreich und der Schweiz arbeiten mit den Prinzipien des Steinbacher Modells. In der Schweiz gibt es erste Kontakte.